Haben Sie sich jemals gefragt, was hinter den verschlossenen Türen des Landratsamtes in Kassel wirklich besprochen wird? Warum bestimmte Gutachten zum Ausbau der Infrastruktur unter Verschluss bleiben oder wie die Verträge mit privaten Dienstleistern im Detail aussehen? Oft stoßen engagierte Bürger bei ihren Nachfragen auf eine Mauer des Schweigens – begründet durch das veraltete Amtsgeheimnis. In einer modernen Demokratie sollte jedoch nicht der Bürger beweisen müssen, warum er eine Information benötigt, sondern die Verwaltung sollte begründen müssen, warum sie eine Information geheim hält. In diesem Artikel erfahren Sie, wie wir den Landkreis Kassel vom Kopf auf die Füße stellen und das Wissen der Verwaltung zum Allgemeingut machen.

Das Amtsgeheimnis: Ein Relikt aus der Zeit der Untertanen
Um zu verstehen, warum das Amtsgeheimnis heute ein massives Hindernis für die demokratische Entwicklung im Landkreis Kassel darstellt, müssen wir einen Blick in die Geschichte werfen. Das Konzept stammt aus einer Zeit, in der die Verwaltung dem Monarchen gegenüber verantwortlich war – nicht dem Volk. Der Beamte war Diener des Staates, und Wissen galt als Machtinstrument, um die Bevölkerung zu lenken.
In einer gefestigten parlamentarischen Demokratie ist dieser Ansatz völlig deplatziert. Hier ist die Verwaltung ein Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Dennoch hält sich der Geist der Verschwiegenheit hartnäckig in vielen deutschen Amtsstuben. Wenn Informationen über Haushaltsdaten, öffentliche Gutachten oder Baupläne zurückgehalten werden, schwächt dies das Vertrauen in die staatlichen Institutionen. Wir fordern daher: Das Amtsgeheimnis hat ausgedient und muss durch eine Kultur der Offenheit ersetzt werden.
Die Informationsfreiheitssatzung: Ihr rechtlicher Schlüssel zum Wissen
Ein zentraler Baustein für mehr Transparenz ist die Einführung einer umfassenden Informationsfreiheitssatzung für den Landkreis Kassel. Während das Hessische Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetz (HDSIG) auf Landesebene bereits wichtige Akzente setzt, gibt es auf kommunaler Ebene eine Besonderheit: Städte und Landkreise in Hessen müssen die Anwendung des vierten Teils des HDSIG (Informationsfreiheit) oft erst explizit durch eine eigene Satzung regeln, um volle Rechtssicherheit für die Bürger zu schaffen.
Was bringt eine solche Satzung konkret?
- Recht auf Akteneinsicht: Jeder Bürger erhält das Recht, amtliche Informationen abzufragen, ohne ein berechtigtes Interesse nachweisen zu müssen.
- Klare Fristen: Die Verwaltung wird verpflichtet, Anfragen innerhalb einer festgelegten Zeit (meist ein Monat) zu beantworten.
- Begrenzte Ausnahmen: Informationen dürfen nur in klar definierten Ausnahmefällen (z. B. Schutz personenbezogener Daten oder nationale Sicherheit) verweigert werden.
Ohne eine solche Satzung bleibt die Informationsfreiheit im Landkreis Kassel oft ein zahnloser Tiger. Wir wollen, dass der Landkreis hier eine Vorreiterrolle einnimmt und zeigt, dass er nichts zu verbergen hat.
Open Data: Wenn Daten zu Bürgermacht werden
Transparenz bedeutet heute mehr als nur das Lesen von Aktenordnern. In einer digitalisierten Welt ist Open Data das Gebot der Stunde. Wir fordern, dass der Landkreis Kassel ein zentrales Transparenzportal aufbaut. Hierbei geht es nicht darum, eingescannte PDF-Dokumente hochzuladen, die kaum durchsuchbar sind.
Wahre Informationsfreiheit bedeutet die Bereitstellung von Daten in maschinenlesbaren Formaten (wie CSV, JSON oder XML). Stellen Sie sich vor, Programmierer, Journalisten oder interessierte Laien könnten die Verkehrsströme im Landkreis, die Ausgaben für Schulen oder die Umweltdaten des Reinhardswaldes direkt in Apps oder interaktiven Karten visualisieren.
Vorteile von Open Data im Landkreis:
- Wirtschaftliche Innovation: Startups können auf Basis öffentlicher Daten neue Dienstleistungen entwickeln.
- Effiziente Verwaltung: Mitarbeiter der Verwaltung finden Informationen schneller, wenn sie zentral und digital verfügbar sind.
- Wissenschaftliche Forschung: Regionale Studien können auf einer validen Datenbasis des Kreises aufbauen.
Bürgerbeteiligung beginnt mit Wissen
Echte Bürgerbeteiligung im Landkreis Kassel ist nur möglich, wenn alle Beteiligten über denselben Wissensstand verfügen. Aktuell herrscht oft eine Informationsasymmetrie: Die Politik und die Verwaltung haben die Daten, der Bürger muss sie mühsam erbetteln.
Wissen darf kein Privileg der Verwaltung sein. Wenn wir über Großprojekte wie den Ausbau der Windkraft, neue Gewerbegebiete oder die Sanierung der Kreisstraßen diskutieren, müssen alle Fakten von Anfang an auf dem Tisch liegen. Ein „Gläserner Landkreis“ sorgt dafür, dass Diskussionen sachlicher geführt werden und Entscheidungen der Politik nachvollziehbarer sind. Transparenz ist der Treibstoff für eine lebendige Demokratie.
Korruptionsprävention durch Sichtbarkeit
Ein oft unterschätzter Aspekt der Informationsfreiheit ist die Korruptionsprävention. Wo Licht ins Dunkel gebracht wird, haben Mauscheleien und Vetternwirtschaft keinen Platz. Wenn alle Verträge der öffentlichen Hand über einem bestimmten Auftragswert im Transparenzportal einsehbar sind, erhöht dies den Kontrolldruck enorm.
Öffentliche Aufträge werden mit dem Geld der Steuerzahler finanziert. Daher haben Sie als Bürger ein Recht darauf zu erfahren, wer den Zuschlag für ein Projekt erhalten hat und welche Konditionen vereinbart wurden. Die Veröffentlichung von Verträgen und Gutachten schützt integre Beamte vor falschem Verdacht und schreckt diejenigen ab, die öffentliche Mittel für private Zwecke missbrauchen könnten.
Fazit: Zeit für ein Demokratie-Update im Landkreis Kassel
Die Forderung nach einem gläsernen Landkreis ist kein Selbstzweck. Sie ist die notwendige Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Amtsgeheimnis ist ein Auslaufmodell, das durch aktive Informationsfreiheit und Open Government ersetzt werden muss.
Wir stehen für eine Politik, die den Bürger ernst nimmt und ihn als Partner auf Augenhöhe betrachtet. Der Landkreis Kassel hat die Chance, durch Transparenz das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen und eine modernere, effizientere Verwaltung zu schaffen.
Was können Sie tun?
Unterstützen Sie die Forderung nach einer Informationsfreiheitssatzung! Sprechen Sie Ihre lokalen Abgeordneten darauf an und fordern Sie bei der kommenden Kommunalwahl 2026 klare Zusagen für mehr Transparenz. Gemeinsam beenden wir die Ära der Geheimniskrämerei und machen den Landkreis Kassel bereit für die Zukunft.