Seit Mittwoch läuft das Dokumentarfilmfest, eines der großen Ereignisse im Kasseler Kulturkalender. Das Thema Urheberrecht hat erfreulich viel Raum im Programm des Festivals gefunden hat. Am Donnerstag lief im Gloria-Kino R.I.P. - A Remix Manifesto von Brett Gaylor. Ein Film u.a. über den DJ GirlTalk, der mit Samples aus bestehenden Werken Musik macht und dafür seinen Laptop als Instrument nutzt. Dabei zeigt Gaylor welche Hindernisse und rechtliche Risiken das geltende Urheberrecht für Kreative bedeutet. CreativeCommons Lizenzen werden als mögliche Lösung vorgestellt. Leider lässt sich der Film derzeit nicht online anschauen. Die Besucher des Films hatten zusätzlich Glück, denn einige Kasseler Piraten verteilten ca. 40 Exemplare des kostenlosen PiratePartyMusic V1.01 Sampler mit freier CC-Musik.
Am Freitag war das Urheberrecht auch Thema in der Mediaartabase, präsentiert von Rechtsanwalt Christian Füllgraf und der Justiziarin Dr. Anke Schierholz von der VG Bild und Kunst. Füllgraf zeigte in seinem Vortrag viele Beispiele für die Anwendung von Urheberrechten, nicht nur bei Medien, sondern auch bei Gebäuden oder Kunstobjekten im öffentlichen Raum, die mitunter nicht aus der 1. Etage eines Privathauses fotografiert werden dürfen. Insgesamt entstand der Eindruck die "Schutzrechte" für Urheber entwickeln sich immer weiter zu Verboten gegen Kreative und Nutzer. Frau Dr. Anke Schierholz stellte in ihrem Vortrag die Leistungen ihrer Verwertungsgesellschaft vor. Dabei stellte sie heraus, dass es der Anspruch der VG Bild-Kunst sei, für Kreative eine zentrale Anlaufstelle zu sein, um Verwertungsrechte möglichst weltweit anzumelden, bzw. abzuklären. Dieser Anspruch werde derzeit immer schwieriger, da einzelne Rechteinhaber die Verwertung selber wahrnehmen. Sie räumte ein, dass die Verteilung der eingenommenen Mittel über die derzeitigen Verteilungspläne recht kompliziert sei. Insbesondere die Verbreitung von Werken über das Internet werde derzeit noch unzureichend erfasst. Ansätze um hier auch die Nutzung über das Internet zu berücksichtigen sind, nach ihren Angaben, Systeme über Nutzerbefragungen. Aus Datenschutzgründen sei die Berücksichtigung der neuen Medien aber sehr schwierig. Aus Piratensicht ist es erfreulich, dass die Problematik der Verteilungsgerechtigkeit bei gewahrtem Datenschutz erkannt ist. Die Piraten lehnen jedoch grundsätzlich jede Form von zentralen Verteilungsbehörden ab, da jede Schlüsselung zu Gerechtigkeitsproblemen führt. Nicht kommerzielle Nutzungen sollen grundsätzlich erlaubt sein. Die Bezahlung muss wieder zwischen Künstlern und Nutzern stattfinden, die Bedeutung von Rechteverwertern und Verwertungsgesellschaften ist angesichts der neuen Medien nicht mehr zeitgemäß.