Modernes Plündern - Pirateristik in der Caricatura

Die Caricatura zeigt ab Samstag, dem 22. Januar, die Ausstellung "Pirateristik - Einführung in die moderne Plünderungstheorie".

Die Arbeiten wurden an der Kunsthochschule erstellt um über die "Rolle und den Begriff des Piraten in unserer Gesellschaft nachzudenken auch darüber, wie er diskursiv aufgeladen wird. Der Kreisverband Kassel hat zwar nichts mit der Idee oder Durchführung der Ausstellung zu tun, dennoch hoffen wir, dass wir einige der Künstler mit unseren Online-Auftritten und Infoständen in Kassel im Wahljahr 2009 inspirieren konnten. Deshalb auch ein paar Worte von uns zum gesellschaftlichen Diskurs: Dass Pirateristik Thema einer Kunstausstellung ist zeigt deutlich: Die Piraten kommen in der Gesellschaft an. Sie werden weniger als räuberische Erpresser wahrgenommen sondern vielmehr als frische politische Kraft. Die Piratenbucht vermutet man eher in Schweden als am Horn von Afrika. Die moderne Plünderungstheorie muss sich weniger mit den Raubüberfällen auf Handelsschiffe vor Somalia und dem Jemen befassen, als mit der Frage des vermeintlichen Diebstahls geistigen Eigentums. Dieses moderne Plündern kriminalisiert im allgemeinen Veständnis Verstöße gegen die monopolistischen Verwertungsrechte der Medienkonzerne. In deren Augen  plündern Piraten die prall gefüllten Schätze ihrer poppig-platten Produktionen. Eine moderne Sicht auf die Plünderungstheorie sieht anders aus. Die Möglichkeit genetische Muster, Softwarecode oder Geschäftsideen in einem langwierigen, komplizierten und teuren Verfahren zu patentieren, ermöglicht es den modernen Plünderern, die Schätze der Gesellschaft an sich zu reißen. Ideen oder Konzepte werden durch sogenannten "Schutzrechte" bzw. Verbotsgesetze privatisiert. Der natürliche Prozess der Nachahmung von guten Vorbildern wird verboten. Statt dessen werden Lizenzgebühren fällig - ein moderner Tribut an die Plünderer. Die wichtigste Lektion der Pirateristik ist eine Neubewertung des Konzepts von Verwertungsrechten. Diese sind kein Eigentum, sondern eine per Gesetz herbeigeführte Monopolstellung, die andere grundsätzlich von der Verwertung und Verwendung von nicht knappen Inhalten ausschließt. Das kann für eine Gesellschaft nicht gut sein. Piraten sind deshalb dafür keine Patente auf Lebewesen, Software und Geschäftsideen zuzulassen. Das nicht-kommerzielle Kopieren soll erlaubt werden. Zugleich sollen die Urheber statt der Verwerter stärker in den Vordergrund treten. Auf diese Weise bleiben die ideellen Schätze der Gesellschaft erhalten und für alle nutzbar. Die Piraten vertreiben die Plünderer.